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Schalkhäuser

02.02.2010 – KÖLN (BIERMANN) – Im letzten Deutschen Bundestag gab es einen Abgeordneten namens Bernd Schmidbauer, der seinerzeit unter dem Bundeskanzler Kohl sehr schnell sehr hoch gestiegen war. Schmidbauer war eine Zeitlang Staatsminister im Bundeskanzleramt und Koordinator der Geheimdienste, eine Art christdemokratischer Ben Wisch also. Als es mit der Regentschaft Kohls zu Ende ging und alle Minister ihre Abschiedsurkunden erhalten hatten, fiel etwas Merkwürdiges auf: Der Staatsminister Schmidbauer schien gar nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass auch seine Zeit abgelaufen war. Noch immer redete er gern in geheimnisvollen Andeutungen, tat so, als werde er noch täglich von den Sicherheitsverantwortlichen der Republik informiert, hielt im Auswärtigen Ausschuss, wie der Spiegel süffisant anmerkte, "längliche Reden", bei denen sogar Angela Merkel mit den Augen rollte. Ohne es zu merken, war er zum Faktotum geworden.

An Bernd Schmidbauer muss ich denken, wenn ich Klaus Schalkhäuser sehe, meistens auf einem der Berliner Empfänge. Das liegt nicht nur daran, dass sich Schmidbauer und Schalkhäuser verblüffend ähnlich sehen. Es ist auch deshalb, weil Klaus Schalkhäuser sich überhaupt nicht verändert hat.

Es war vor zwanzig Jahren, als ich ihn besuchte in diesem winzigen Kreiskrankenhaus Dorfen, um ihm von meinem Projekt "Urologische Nachrichten" zu erzählen. In seinem Büro saß ich auf einem tiefen Stühlchen vor einem Schreibtisch, der riesig und mit Akten fast bis unter die Zimmerdecke bepackt war. Das Gespräch dauerte ungefähr zwei Stunden, in denen ich drei Sätze sagen konnte, vielleicht auch vier. Den Rest der Zeit redete der Große Vorsitzende. Er redete darüber, wie die Urologie früher war, wie sie jetzt sei und wie sie in Zukunft sein würde. Das allerwichtigste Ereignis in der Gestaltwerdung der deutschen Urologie war, darüber konnte es keinen Zweifel geben, das Hinzutreten von Klaus Schalkhäuser. Hach, was seien die Urologen glücklich, und das zu Recht, einen wie ihn in ihrer Mitte zu haben!

Kaum jemals im Leben habe ich jemanden getroffen, der so wenig von Selbstzweifeln angekränkelt und von der eigenen Bedeutung und Wichtigkeit so überzeugt war wie Klaus Schalkhäuser. Während er redete in diesem kleinen Zimmer in diesem kleinen Kreiskrankenhaus in diesem kleinen Örtchen Dorfen, begann sich die Dämmerung über den Schreibtisch mit den turmhohen Akten zu senken. Man sah ihn jetzt kaum noch. Aber es hörte sich, Satz für Satz, gerade so an, als ob Moses neue Gesetzestafeln vom Berg Sinai herunterreicht.

Über den seit 20 Jahren emeritierten Bernd Schmidbauer schrieb der Spiegel unlängst: "Schmidbauer geht nicht, er schreitet Richtung Sitzungssaal, schiebt Bauch und Bedeutung vor sich her. Jeder Zoll immer noch Kanzleramtsminister."

Er ist jetzt übrigens aus dem Deutschen Bundestag ausgeschieden.

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